Praktische Prüfung

AEVO praktische Prüfung: Themen für die Unterweisung

Ausbilderschein-Trainer Redaktion · 03. Oktober 2026 · 10 Min. Lesezeit

Das beste Thema für deine AEVO-Unterweisung ist eines, das du fachlich sicher beherrschst, das sich in höchstens 15 Minuten vermitteln lässt, ein überprüfbares Ergebnis liefert und zu einem Ausbildungsberuf passt. Unten findest du über 50 Themenideen für 13 Berufsfelder. Davor lernst du, wie du aus einer Idee ein prüfungstaugliches Thema machst und welche Fehler du vermeidest.

So ist der praktische Teil der AEVO-Prüfung aufgebaut

Die Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) regelt in § 4 die Prüfung. Sie besteht aus zwei Teilen: einem schriftlichen Teil mit 180 Minuten und einem praktischen Teil mit höchstens 30 Minuten. Der praktische Teil setzt sich zusammen aus

  1. der Präsentation oder praktischen Durchführung einer Ausbildungseinheit, die höchstens 15 Minuten dauert, und
  2. einem anschließenden Fachgespräch.

Beide Teile müssen jeweils mindestens mit „ausreichend“ bewertet werden, damit du die Prüfung bestehst. Bewertet wird durch den Prüfungsausschuss. Wie das Fachgespräch abläuft, erfährst du im Artikel AEVO Fachgespräch: typische Fragen und Antworten. Hier geht es um den ersten Schritt: das Thema.

Die Kammern handhaben Details unterschiedlich: Manche verlangen ein schriftliches Konzept oder einen Ablaufplan vorab, manche geben Themen vor, aus denen du wählst, andere lassen dir freie Wahl. Das steht in den Hinweisen deiner Kammer. Lies sie, bevor du ein Thema festlegst.

Die 5 Kriterien für ein prüfungstaugliches Thema

  1. Klein genug für 15 Minuten. Ein Handgriff, sauber unterwiesen, schlägt jedes Riesenthema. „Rad wechseln“ ist zu groß, „Anzugsreihenfolge der Radmuttern und Drehmoment“ ist machbar. Wenn du beim Planen merkst, dass du hetzen musst, ist das Thema zu groß.
  2. Sichtbares, prüfbares Ergebnis. Am Ende muss der Azubi etwas können, das man beobachten oder messen kann: ein Werkstück, ein ausgefülltes Formular, ein Messwert. Das brauchst du für die Lernerfolgskontrolle.
  3. Fachliche Sicherheit. Du musst das Thema im Schlaf beherrschen, damit dir im Gespräch kein Fehler unterläuft. Wähle etwas, das du selbst täglich tust.
  4. Bezug zum Ausbildungsberuf. Du solltest im Fachgespräch sagen können, in welchem Ausbildungsberuf und zu welcher Position des Ausbildungsrahmenplans das Thema gehört. Der Rahmenplan ist Teil der Ausbildungsordnung nach § 5 BBiG.
  5. Praktisch darstellbar. Du brauchst Material, das du in den Raum bringen kannst, oder einen Ablauf, den man mit wenigen Mitteln zeigt. Themen, die einen Maschinenpark oder eine Großanlage verlangen, scheitern oft an der Logistik.

Eine Checkliste vor der Entscheidung

  • Kann ich das Thema in 3 bis 5 Arbeitsschritte zerlegen?
  • Kann ich ein Feinlernziel formulieren, das messbar ist?
  • Habe ich alles Material oder kann ich es nachbilden?
  • Ist es sicher? Gefährliche Tätigkeiten brauchen Schutzmaßnahmen, die sich in der Prüfung glaubwürdig darstellen lassen.
  • Kann ich erklären, warum der Azubi das jetzt lernt (Ausbildungsjahr, Vorkenntnisse)?
  • Passt das Thema zu einer Methode, die ich begründen kann?

Themenideen nach Berufsfeld

Jede Idee ist ein Ausgangspunkt. Passe sie an deinen Betrieb, dein Ausbildungsjahr und deinen fiktiven Azubi an. Ein Beispiel für den Zuschnitt steht hinter manchen Ideen.

Metall und Industrie

Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Feinwerkmechaniker

  • Messschieber ablesen und ein Werkstück auf Maß prüfen
  • Innengewinde M8 von Hand schneiden
  • Werkstück anreißen und körnen
  • Blechkanten entgraten inkl. Schutzausrüstung
  • Bohrmaschine einrichten, Drehzahl wählen, Werkstück spannen

Elektro

Elektroniker, Mechatroniker, Fachkraft für Lagerlogistik mit elektrotechnischer Grundbildung

  • Aderendhülse normgerecht aufpressen (der Klassiker)
  • Leitung abisolieren, ohne die Ader zu beschädigen
  • Widerstands-Farbcode ablesen
  • Durchgangsprüfung mit dem Multimeter (nur spannungsfrei)
  • Fünf Sicherheitsregeln vor Arbeiten an elektrischen Anlagen anwenden

Kfz und Fahrzeug

Kfz-Mechatroniker, Fahrzeuglackierer, Karosseriebauer

  • Reifendruck prüfen und korrigieren
  • Motorölstand prüfen und nachfüllen
  • Sicherung im Bordnetz prüfen und tauschen
  • Profiltiefe messen und beurteilen
  • Scheibenwischerblatt wechseln

Holz, Bau und Haustechnik

Tischler, Maler und Lackierer, Anlagenmechaniker SHK, Maurer

  • Holzverbindung anzeichnen und markieren
  • Abklebearbeiten vor dem Lackieren
  • Rohrverschraubung dichtend montieren
  • Wasserwaage richtig setzen und ablesen
  • Kartuschenfuge sauber ziehen

Büro und Verwaltung

Kaufleute für Büromanagement, Verwaltungsfachangestellte

  • Eingangsrechnung sachlich und rechnerisch prüfen (der kaufmännische Klassiker)
  • Geschäftsbrief nach DIN 5008 prüfen
  • Telefonnotiz korrekt aufnehmen und weiterleiten
  • Terminkalender führen: Terminanfrage bearbeiten
  • Vorgang nach Ablageplan ablegen

Handel und Verkauf

Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer

  • Lieferschein mit Bestellung abgleichen
  • Mindesthaltbarkeitsdatum kontrollieren und Ware umschichten
  • Kassieren: Wechselgeld herausgeben
  • Preisauszeichnung nach Preisangabenverordnung prüfen
  • Reklamation annehmen (Gesprächssituation, eher Rollenspiel)

Lager und Logistik

Fachkraft für Lagerlogistik, Fachlageristen, Kaufleute für Spedition und Logistik

  • Kommissionieren nach Pickliste
  • Ladungssicherung an der Palette prüfen
  • Gefahrgutkennzeichen zuordnen
  • Wareneingang kontrollieren und dokumentieren
  • Flurförderzeug-Sichtprüfung vor Arbeitsbeginn

IT

Fachinformatiker, IT-Systemelektroniker

  • Netzwerkkabel patchen und Belegung prüfen
  • Support-Ticket vollständig aufnehmen
  • Arbeitsspeicher einbauen inkl. ESD-Schutz
  • Benutzerkonto nach Checkliste anlegen
  • Datensicherung einrichten und prüfen

Banken und Versicherungen

Bankkaufleute, Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen

  • Überweisungsauftrag auf Vollständigkeit prüfen
  • Legitimationsprüfung bei Kontoeröffnung
  • Schadenmeldung aufnehmen und Pflichtangaben erfragen
  • Kundendaten im System ändern: Vier-Augen-Prinzip beachten

Hotel, Gastronomie und Lebensmittel

Hotelfachleute, Köche, Fachkräfte im Gastgewerbe, Bäcker, Fleischer

  • Tisch für ein Drei-Gänge-Menü eindecken
  • Hygienische Händedesinfektion
  • Kühlkette beim Wareneingang dokumentieren
  • Zimmer nach Checkliste übergabefertig machen
  • Teig auf Temperatur prüfen und Teigausbeute berechnen

Gesundheit und Labor

Medizinische Fachangestellte, Biologielaboranten, Zahnmedizinische Fachangestellte

  • Blutdruck manuell messen
  • Sterilgut verpacken und kennzeichnen
  • Pipettieren einer festgelegten Menge
  • Händehygiene nach den fünf Momenten durchführen
  • Patientendaten korrekt aufnehmen

Chemie und Produktion

Chemikanten, Pharmakanten, Produktionsfachkräfte

  • pH-Wert bestimmen und Messgerät kalibrieren
  • H- und P-Sätze am Gefahrstoffetikett zuordnen
  • Probenahme nach Vorschrift durchführen und beschriften
  • Persönliche Schutzausrüstung auswählen und anlegen

Grüne Berufe und Sonstige

Gärtner, Landwirte, Floristen, Fachkräfte für Schutz und Sicherheit

  • Pflanze fachgerecht umtopfen
  • Erste-Hilfe-Material im Betrieb prüfen (mit Bezug zur Berufsbildposition „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“)
  • Strauß binden: Spiralbindetechnik
  • Schnittwerkzeug reinigen und pflegen

Die komplette Themenliste nach Fachrichtung mit empfohlener Methode je Thema findest du kostenlos im Prüfungswissen unter „Themen und Beispiele“.

Fertigkeit, Wissen oder Gespräch: Das Thema bestimmt die Methode

Die Methode folgt dem Lernziel, nicht umgekehrt. Grob gilt:

LernzielPassende MethodeBeispielthema
Handlung, Fertigkeit4-Stufen-Methode (ggf. modifiziert)Aderendhülse pressen
Wissen, ZusammenhängeLehrgespräch, Erarbeitung mit LeitfragenRechnung rechnerisch prüfen
Verhalten im GesprächRollenspielReklamation annehmen
Selbstständiges ErarbeitenLeittext, LernauftragCheckliste Zimmerreinigung erstellen

Die 4-Stufen-Methode ist die häufigste Wahl, weil sie sich für Fertigkeiten eignet und in 15 Minuten gut zu takten ist. Wie sie funktioniert, zeigt der Leitfaden zur 4-Stufen-Methode mit vollständigem Beispiel.

Unterweisung oder Präsentation?

Du darfst die Form wählen: die praktische Durchführung einer Ausbildungseinheit mit einer Person, die den Auszubildenden spielt (je nach Kammer ein Prüfer, ein anderer Prüfling oder eine mitgebrachte Person), oder die Präsentation einer Ausbildungssituation, bei der du erläuterst, wie du sie durchführen würdest. Beide Formen sind in der AEVO ausdrücklich vorgesehen.

Praktische DurchführungPräsentation
Passt zukurzen Fertigkeiten, Handgriffen, Abläufenlangen Ausbildungssituationen, Projekten, Gesprächen mit Dauer
VorteilDu zeigst dein Können als Ausbilder liveDu kannst auch Themen wählen, die du nicht im Raum zeigen kannst
RisikoMaterial, Technik, Mitspieler müssen funktionierenWirkt schnell wie ein Vortrag, wenn die Ausbildersicht fehlt
WichtigRolle des Azubis klar festlegenFolien dienen dem Ausbilderhandeln, nicht dem Fachinhalt

Wer unsicher ist, wählt meist die Durchführung, wenn das Thema es zulässt. Bei der Präsentation gilt: Du erklärst deine Rolle als Ausbilder, nicht das Fachthema. Das ist der häufigste Fehler.

Aus dem Thema wird ein Konzept

Mit dem Thema fängt die Arbeit an. Dein Konzept (oft verlangt als schriftlicher Entwurf) enthält typischerweise:

  1. Rahmenbedingungen: Ausbildungsberuf, Ausbildungsjahr, Ort, Zeit
  2. Beschreibung des Auszubildenden (Alter, Vorkenntnisse, Besonderheiten)
  3. Einordnung in den Ausbildungsrahmenplan
  4. Lernziele (Richtziel, Grobziel, Feinlernziel)
  5. Methode mit Begründung
  6. Medien und Material
  7. Ablaufplan mit Zeiten
  8. Lernerfolgskontrolle
  9. Sicherheit und rechtliche Hinweise

Ob dein Entwurf alle Bausteine enthält, prüfst du kostenlos mit dem Konzept-Check. Der Schnell-Check ist ohne Paket nutzbar: Er gleicht deinen Text mit den üblichen Bausteinen ab und zeigt dir Hinweise, wo noch etwas fehlen könnte – was du daraus machst, entscheidest du selbst. Welche Gliederung deine Kammer erwartet, steht in ihren Merkblättern.

Das Feinlernziel richtig formulieren

Ein Feinlernziel beschreibt, was der Azubi nach der Unterweisung kann, unter welchen Bedingungen und mit welchem Maßstab. Beispiel: „Der Azubi kann nach der Unterweisung mit einem Messschieber an drei Werkstücken die Außenmaße ohne Hilfe auf 0,1 mm genau ablesen.“ Vermeide Wörter wie „kennen“ oder „verstehen“, weil man sie nicht beobachten kann. Besser sind „benennen“, „ausführen“, „messen“, „einordnen“.

Das Ausbildungsjahr entscheidet mit

Dasselbe Thema ist im ersten Ausbildungsjahr ein anderes als im dritten. Im ersten Jahr unterweist du Grundfertigkeiten und erklärst viel, im dritten Jahr setzt du Vorwissen voraus und gibst mehr Verantwortung ab. Lege deshalb fest, in welchem Ausbildungsjahr dein Azubi steht, was er schon kann und warum das Thema jetzt dran ist. Diese Angaben tauchen im Konzept auf und sehr wahrscheinlich im Fachgespräch. Ein Thema aus dem ersten Jahr mit einem Azubi aus dem dritten Jahr zu verbinden, wirkt unglaubwürdig. Ein Azubi, der gerade zum ersten Mal mit dem Betrieb in Kontakt kommt, braucht dagegen mehr Orientierung und Sicherheitshinweise als ein Azubi kurz vor der Abschlussprüfung.

Typische Fehler bei der Themenwahl

Beispiel: Ein Thema mit allen Bausteinen

Thema: Eingangsrechnung sachlich und rechnerisch prüfen. Beruf: Kaufmann für Büromanagement, 1. Ausbildungsjahr. Azubi: Lena, 18, kennt Rechnungen aus der Berufsschule, hat noch keine selbst geprüft.

Feinlernziel: Lena kann nach der Unterweisung an einer Eingangsrechnung mithilfe der Prüfliste sachliche Richtigkeit (Bestellung, Lieferung, Preis) und rechnerische Richtigkeit (Menge mal Preis, Umsatzsteuer, Summe) ohne Hilfe prüfen und Abweichungen kennzeichnen.

Methode: Für den Wissens- und Prüfanteil eher Lehrgespräch mit Leitfragen, für das Handeln an der Prüfliste 4-Stufen-Methode in der modifizierten Form. Beides begründbar, aber eine Hauptmethode wählen.

Lernerfolgskontrolle: Eine zweite Rechnung mit eingebautem Fehler, die Lena selbstständig prüft.

Sicherheit/Recht: Datenschutz (Lieferantendaten), Vier-Augen-Prinzip, ggf. Aufbewahrungsfristen als Ausblick.

Solche Ausarbeitungen sind der Kern eines überzeugenden Fachgesprächs.

Üben, bevor es zählt

Probiere deine Unterweisung dreimal: einmal allein laut mit Uhr, einmal vor einer Person, die den Azubi spielt und echte Fehler macht, einmal vollständig mit Material. Danach gehst du in Gedanken jede Entscheidung durch und fragst dich bei jeder: Warum so? Dafür gibt es den KI-Sparringspartner im Paket Komplett und Premium: Er stellt Fragen zu deinem Konzept und zeigt Musterantworten, die Einschätzung bleibt bei dir. Hilfreiche Vorlagen für Ablaufplan und Lernzielformulierung findest du unter Extras.

Häufige Fragen (FAQ)

Wer sucht das Thema der AEVO-Unterweisung aus?

In der Regel du selbst, sofern deine Kammer nichts anderes vorgibt. Genau das ist deine Chance: Nimm ein Thema aus deinem Berufsalltag, das du sicher beherrschst. Manche Kammern verlangen eine Anmeldung des Themas vorab.

Wie lange dauert die praktische AEVO-Prüfung?

Höchstens 30 Minuten. Davon entfallen bis zu 15 Minuten auf die Unterweisung oder Präsentation, der Rest auf das Fachgespräch.

Muss das Thema aus meinem eigenen Beruf sein?

Es muss einem anerkannten Ausbildungsberuf zuordenbar sein. Am besten nimmst du deinen eigenen: Im Fachgespräch musst du fachlich sicher sein. Ob die Kammer andere Berufe zulässt, erfährst du bei ihr.

Ist ein einfaches Thema ein Nachteil?

Nicht unbedingt, solange es drei bis fünf sinnvolle Teilschritte hat und ein prüfbares Ergebnis liefert. Zu banale Themen geben dir aber wenig Stoff für Begründungen.

Darf ich die gleiche Unterweisung wie ein Kollege machen?

Grundsätzlich darfst du dich von Ideen inspirieren lassen, aber dein Konzept muss zu deinem Azubi, deinem Betrieb und deiner Begründung passen. Prüfer merken, wenn Antworten nicht zur eigenen Planung gehören.

Brauche ich ein schriftliches Konzept?

Die meisten Kammern erwarten einen schriftlichen Unterweisungsentwurf, oft vorab einzureichen. Umfang und Frist stehen in den Hinweisen deiner Kammer.

Ist Unterweisung oder Präsentation leichter?

Das hängt vom Thema ab. Die Durchführung passt zu Handgriffen, die Präsentation zu langen Ausbildungssituationen. Beide sind gleichwertig. Entscheidend ist, dass du deine Wahl begründen kannst.

Welche Methode passt zu meinem Thema?

Für Fertigkeiten meist die 4-Stufen-Methode, für Wissen das Lehrgespräch, für Gesprächssituationen das Rollenspiel. Die Methode richtet sich nach dem Lernziel.

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